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Veröffentlicht am: 26.10.2021 Tags: Vulkanausbruch, La Palma, La Luna Baila, La Primavera

Vulkanausbruch La Palma

Der Vulkan auf La Palma bleibt weiter rege und wir warten, schaufeln und fegen Asche

26.10.2021,Tag 36

Der Vulkan auf La Palma bleibt weiter rege im nicht ungewöhnlichen Rahmen, wie die Experten bestätigen. Allein die ungeheure Masse des Ausstosses sei dann doch wohl überraschend. Die Hoffnung auf geringere Schwefeldioxid Abgaben, als ein mögliches Indiz auf Beruhigung, haben sich nicht bestätigt. Die Erdbeben, die den unterirdischen Nachschub an Magma indizieren, bleiben uns erhalten. In den letzten Tagen allerdings nicht über der Stärke 4. Es gibt mehrere Schlote, aus denen Lava, pyroklastisches Material oder Gase ausgeworfen werden. Je nach Durchlässigkeit, jeweils mit lautem oder leiserem Getöse. Dabei baut sich der Hauptkrater immer auf und ab. Am vergangenen Samstag hatte sich der Krater in der Spitze auf 200 Meter aufgetürmt. Am Nachmittag lockerte sich das Gestein und entlud extrem viele Lavamassen. Auch gestern, am 25.10., wiederholte sich dieser Prozess zwei weitere Male. Während wir schon uns an dieses Schauspiel ein bisschen gewöhnen konnten, finden die Wissenschaftler offensichtlich diesen Teil des Vulkanprogramms beunruhigender.

Inzwischen gibt es jede Menge Lavazungen. Man zählt derweil 13, die aber noch weiter unterteilt werden mussten. Oft hatten die Zungen denselben Ursprung, blieben aber eben doch am Ende nicht auf derselben Bahn sondern suchten sich neue (Zerstörungs)wege. Bisher ist nur eine Lavazunge am Meer angekommen. Mittlerweile können wir nicht mehr genau sagen, wo denn der gesamte Rest so verendet. Die Informationsausstattung ist mittlerweile schwierig, die Lavamasse entspricht in der Breite etwa 3 km, hinlaufen ist nicht, private Drohnen nicht erlaubt, um genaueres zu beobachten. Man spricht von unterirdischen Tunneln oder weiter südlich, von ungeheuren Massen an Asche, die die Lava ausbremst und vermutlich neue Berge erstellt.

Evakuierte Orte und das A-Team

Bisher wurden aber alle gefährdeten Orte rechtzeitig evakuiert. Kleine geregelte Zeitfenster mit Ausweiskontrollen, erlauben hier und da noch kurze Zugänge zu den evakuierten Gebieten. Der eine oder andere kann dann, teilweise mit Hilfe der Katastrophenhelfer, noch einiges aus seinem Haus retten oder einfach auch nur von Asche befreien, um das Haus eventuell nach dem Vulkanausbruch, auch noch vollständig wieder zu finden. Daran haben wir uns auch bei Freunden, in der letzten Woche beteiligt. Immer mit einer Südumrundung der Insel, um nach Las Manchas oder nach Las Norias zur Finca La Primavera zu gelangen. Denn die Strassen dorthin sind zum Teil verschüttet. Der Wind spielte uns dann etwas in die Hände, um die Finca Luna Baila mal wieder hell und klar zu bekommen. Unsere Arbeits-Whatsapp Gruppe mit Pedro und Marcela, nennen wir das Luna-Baila-A-Team, in Anlehnung an eine nette Geschichte über von Lava eingeschlossenen Hunden, in Las Manchas. Die Fifis wurden still und heimlich gerettet, ohne dass die Retter sich später zu erkennen gaben. Es wurden keine Selfies auf den sozialen Medien veröffentlicht, aber eine  Botschaft hinterlassen, dass die Hunde safe wären, unterschrieben vom A-Team. (Die Älteren von uns kennen die coole 4er-Serientruppe aus dem 80iger TV) Die Aktion setzte voraus, dass die Retter über die schon abgekühlte Lava gelaufen sein mussten, was überraschend möglich war und natürlich verboten! Die Umstände waren auch deshalb so bekannt bis über unsere Grenzen hinaus, weil ein auf Drohnen spezialisiertes Unternehmen vom Festland, die Hunde bereits mit dem eigenen Produkt gefunden und gefüttert hatte. Die Rettung per Drohne sollte medienwirksam inszeniert werden. Hatte sich dann erledigt, was nicht nur die zum Schmollen brachte. Ein bisschen geplappert wird dann aber am Ende immer, bei den 4ren soll es sich mindestens um einen Vulkanologen, einem Jäger, (wahrscheinlich der Besitzer der Hunde) und einem Feuerwehrmann gehandelt haben. Auf jeden Fall war die Aktion rechtzeitig geschehen, jetzt ist an der Rettungsstelle alles von Lava überrollt.

Wir beobachten die Situation ganz genau, halten euch auf dem laufenden. Aber so viele von Euch sind beeindruckend informiert, nicht wenige schauen seit dem Vulkanausbruch sogar kanarisches Fernsehen! Danke für Eure Solidarität, auch in Form von Spenden oder Mithilfeangeboten beim Fegen oder schaufeln!

Wir melden uns, wenn es endlich richtig ans Aufräumen geht, drücken Euch und lassen uns trotz diverser Tiefs, nicht unterkriegen!

Drückis, Jesper & Verena

 

18.10.2021, Tag 30

es ist auch noch Calima, (Ihr wisst schon, Sand aus der Sahara, warm, kein Nordostpassat!) Auf den warmen Luftschichten sitzt eine kalte Luftschicht, die eine kompakte Masse bilden, ohne Wind und uns heute auch noch einem heftigen Ascheregen in den Gebieten rund um den Vulkan aussetzt. Das nennt man wohl eine Inversion. Schade, dass grad heute die Kehrmaschinen der Gemeinde El Paso in der Calle Echedey aktiv waren. Nächste Woche heul ich wieder bei der Gemeinde. Sonst ist es bald ohne Allrad nicht mehr möglich, zur Finca Luna Baila und Nachbarn fahren zu können. Und so viel Hilfe haben wir dann auch nicht, um die Massen auch noch vom öffentlichen Gelände zu schieben. Morgen graben wir das Haus einer Freundin aus, die gleich zu Anfang evakuiert wurde. Vier Schaufeln, 40 Minuten Zeit!

Ob der Vulkan seinen Job einstellen oder herunterfahren möchte, hängt offensichtlich von drei Faktoren ab: Seismologische Tätigkeit, ist noch munter), Schwefeldioxidausstoss/Tag muss heruntergehen auf etwa 100 Tonnen. (Derzeit 8.500, kommt aber von 17.500/Tag vor einigen Tagen!) Als drittes Signal gelten Bodendeformationen, die ggfs auf andere Ausbruchsstellen hinweisen könnt. Diese atmet in Jedey, ist aber derzeit unauffällig. Und morgen kann alles wieder anders sein, ohne Gewähr!

Immerhin zeigt sogar Fernando Alonso seine Solidarität für La Palma, das finden wir schon ganz nice! 

In dem Zusammenhang  tausend Dank für Eure große Solidarität, persönlichen Zuspruch und  Spendenbereitschaft für die Menschen und Tiere auf La Palma. Das gibt extra Drückaaa!

Für die schwer engagierten Tierschützer fehlte noch die Kontoverbindung, wie mir berichtete wurde. Die reichen wir nach:

Benawara: LA CAIXA CAIXESBBXXX      ES96.2100.7104.0002.0005.0887

 

13.10.2021, Tag 25

Nun hat der neue Vulkan die Dauer des letzten Ausbruchs im Süden von 1971, bereits um einen Tag übertroffen. Und es sieht so aus, als wenn er noch einiges vorhätte. Der Nachschub aus Süden scheint gut zu funktionieren. Das neue Teil soll nun Tagojaite genannt werden, nach einem Gebiet in El Paso, das diesen Namen trägt. Ein Vorschlag der INVOLCAN, dem vulkanologischem Institut der Kanaren. Die Jungs meinen übrigens auch, dass die Vorbereitung des Ausbruchs immer sehr viel mehr Zeit in Anspruch nähme, als der Akt der Zerstörung selbst. Das letzte Wort hätten am Ende die Palmeros selbst. Die aber haben derzeit ganz was anderes um die Ohren. Leider hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass die einmal gesetzten Lavabahnen, für neuen Transport immer wieder genutzt werden, bis diese im Meer landen, so als einmal gelegte Autobahnen. Stattdessen haben sich immer mehr Coladas ihren Weg gesucht, mittendrin einfach aufgehört und sind angetrocknet, um die Oberfläche für die frisch nachlaufende Lava unbrauchbar zu machen. Die Menschen aus dem Teil des Tals werden immer weiter evakuiert, die Insulaner aus dem Norden und Osten fragen besorgt wie es geht, machen weiter wie bisher und haben bereits gute Ideen, warum das alles kein Problem sei und welche technischen Möglichkeiten es heute gäbe, die zerstörten Gebiete wieder aufzubauen.

Urlaub machen auf La Palma?

Nun ja, das werden wir sehen, wenn das "Monster" aufhört zu speien. Seit zwei Tagen nahezu lautlos. Die angekündigten Gäste fragen derzeit besorgt nach, ob sie denn überhaupt noch kommen können, bzw Buchungen in einigen Monaten aufrecht erhalten sollten. Es wäre sehr wünschenswert, wenn Ihr noch ein wenig Geduld mit uns haben würdet, so Euch nicht tatsächlich ganz viele andere Alternativen als Reiseziele unter den Nägeln brennen, die dann ausgebucht sein könnten. Denn tatsächlich funktioniert die Infrastruktur bisher außer im Südwesten, einwandfrei. Und die Insel bietet tatsächlich auch nach wie vor die  beliebten Vorzüge. Es ist auch nicht heißer als sonst mit dem Vulkan, wie auch schon vermutet wurde! Wir können Euch nicht garantieren, am Strand von Puerto Naos entspannt zu liegen oder in El Remo essen gehen zu können in den nächsten Monaten. Aber dazwischen gibt es noch viele andere Strände und Möglichkeiten, den Urlaub zu genießen. Unsere Finca Luna Baila ist intakt, alles funktionsfähig, wir müssen halt nur immer wieder alles von Asche befreien und versprechen, alles wieder chic zu haben,wenn Ihr kommt. Mit einem weiteren Jahr Pause nach den Coronazeiten, wird es natürlich auch immer schwieriger, das Lieblingslokal oder dessen Wirt(in) in bester Verfassung wieder vorzufinden. Der Flughafen muss derzeit auch nur verschnaufen, wenn die Bahn mit Asche beweht wird, weil die Windrichtung grad auf diesen zutreibt. Vom Vulkantourimus sind wir derzeit weniger begeistert. Es gibt derzeit Anbieter für Tagestouristen, die Vulkan gucken wollen. Sollen festes Schuhwerk, eine Brotzeit und Kameras mitnehmen und werden an die schon jetzt beengten Straßen geschaukelt,oder an den Strand nach Tazacorte. Andere wollen gerne warme Gesteinsproben nehmen und bitte ein ruhiges Plätzchen am Pool mit Blick auf den Vulkan. Das konnten wir leider nicht zusagen.

Spenden?

Ein anderes Thema wird auch häufiger angebracht: Spenden ja, aber kommt das Geld dort an, wo es soll? Wir können nur bestätigen, dass sich jeder registrieren kann, der evakuiert oder obdachlos wurde und wird untergebracht. Es gibt alle Arten von Hilfe, auch Essengutscheine. Die Jungs von der BRIF, (Las Brigadas de Refuerzo de Incendíos Forestales),die die Evakuierungen als Begleitung bei der Zusammenräumung aus den Häusern begleiten, sind überall, und packen mit an. Tierärzte und viele freiwillige Helfer holen Tiere aus diesen Gebieten, suchen Halter über die sozielen Medien, versorgen diese. Wir haben echt vollgepackte Autos gesehen mit Vogelkäfigen, Hühnern, Hunden, Katzen oder auch Ziegen.Es gibt dennoch grenzwertige Einzelfälle, auf die wir ggfs auf diesem Weg aufmerksam machen.

Passt auf Euch auf und bleibt in Gedanken bei uns wie bisher!

 

08.10.2021, Tag 20

Unsere Tochter war in den letzten Tagen  Teilnehmerin eines workshops in Berlin, fand alles toll, es sei nur „sackkalt“. Auf La Palma  ist die Kälte ganz sicher nicht das Problem, im Gegenteil, die Sonne scheint und es ist tagsüber noch immer 26 Grad warm, auch abends sind Shorts mit Jäckchen noch angebracht. Und wenn der Vulkan mal die Klappe hält, würde sich alles fast normal anfühlen. Mal abgesehen von gelegentlichen starken Düften, die wir zunächst eher den Hunden anlasteten, dann aber feststellen müssen, dass der Unerwünschte sowas auch generieren kann. Dieser hat noch einiges in seiner Magmaspeisekammer und wie er das an uns verteilen möchte, wissen wir noch nicht. Es gibt viele Beben im südlichen Teil der Cumbre Vieja, diese allerdings in etwa 10 bis 14 km Tiefe, was auf einen baldigen Ausbruch nicht schließen lässt, wie heute in der täglichen Pressekonferenz von fachlicher Seite versichert wurde.  Bedeutet, dass es genug Nachschub für weitere, immer breiter sich auslegende Lavaströme im südwestlichen Aridanetal gibt. Wir wissen eigentlich nicht, was wir uns wünschen sollen: Falls im Süden La Palmas ein neuer Krater aufgehen sollte, wird die letzte Zugangsstraße für die Südwestseite zum Rest der Insel, über Fuencaliente, komplett abgeschnitten. Andererseits würde eine deutliche Druckentlastung auf unserer Seite helfen, u.U. den ganzen Prozess abzukürzen, wenn aus zwei „Rohren“ Lava geschossen werden würde. Es ist die Wahl, die wir nicht haben, zwischen Pest oder Cholera. Mal abgesehen davon, dass die Menschen im Süden wahrscheinlich ganz klar gegen uns voten würden. In der Zwischenzeit fegen und blasen wir wie alle anderen, mit den Laubbläsern die Asche von den Dächern in der Finca Luna Baila. Die Finca La Primavera in Las Norias ist derzeit nicht zugänglich und kommt auch immer weiter in die Gefahrenzone der sich ausbreitenden Lavaströme.

Es gilt also abzuwarten, wie das auch viele Gäste in enger Abstimmung mit uns halten. Keine Frage, der Vulkan muss erst zur Ruhe kommen, bevor wir wieder Eure Gastgeber in Tacande sein können. Wir bleiben flexibel und in Einzelgesprächen, wie der gebuchte Urlaub ggfs auch zeitnah verlegt werden kann.  Die Verkehrswege im Tal sind einwandfrei nutzbar, es gibt in Los Llanos und El Paso gewöhnliches Alltagsleben, der Norden und Ost sind bisher vollkommen unberührt. Der Flugverkehr derzeit teilweise in Einschränkung wenn die Windrichtung die Asche in den Osten treibt.

Bleibt in Gedanken mit allen auf La Palma!

 

04.10.2021, Tag 16

Und es ist einfach mal still! Nach schweren Explosionen gestern Nacht bis in den heutigen Nachmittag, ist einfach nur mal Ruhe angesagt. Schon wird gehofft, dass es bald vorbei sein wird. Aber der Zahn ist uns schon gezogen worden, es gibt weitere Beben im Süden und damit wohl noch ausreichend Nachschub an Magma in der Pipeline. In der heutigen Pressekonferenz des Krisenstabes PEVOLCA (Plan de Emergencias Volcánicas de Canarias), wurde mitgeteilt, alles wie einige Tage vor dem Ausbruch: Erdbeben, die aufsteigende Magma ankündigen. Zwar erhöhte Aktivität des aktiven Vulkans, das Zeug loszuwerden und zu verteilen, aber man sieht keine weiteren Ausbrüche neben dem Namenlosen oder auch der "mierda". Nun ja, wir wollen es gerne glauben. Bisher sind 413 ha Fläche von Lava bedeckt, bis zu 1000 Gebäude sind zerstört, dazu zählen auch z.B. Wassertanks. Wieviel Wohnhäuser begraben sind, kann nur geschätzt werden. Immerhin hat uns der Vulkan eine über 30 ha große Halbinsel neu geschenkt. Kann diesen Haufen glühender Steine echt nicht schön finden und es fehlt mir noch die Phantasie, was wir mit diesem Berg anfangen können sollen an der Playa Nueva. Sehr empfehlenswert: Eine gelungengen optische Übersicht des Verlaufs der Lava im Spiegel online

Wir versuchen die Dächer freizuhalten in Tacande und Anfragen abzuwehren, die Vulkan-Erlebnistouren für wenige Tage buchen möchten. Verdrücken uns aber öfter, wenn der Vulkan zu doll schreit. Wenn alles so wackelt und die Druckwellen des Vulkans bei Verstopfung, wieder die Fenster klappern lässt, muss mal wieder kurz ein Päusschen eingezogen werden. Den Kater lassen wir in der Finca Luna Baila, der bewacht die Bude, zusammen mit Delia, der angstfreien Heldin der Nachbarschaft!!

Es gibt schon einige gute Ideen, die zügig umgesetzt werden sollen, um Las Manchas, Todoque und Puerto Naos wieder zugänglich zu machen, wenn der Vulkan wieder ruhig sein sollte. Am allerwichtigsten scheint es aber nun zu sein, zwei mobile Entsalzungsanlagen zu ordern, um die Bananen in La Bombilla am Leben zu halten.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Die privaten Spenden werden in jedem Fall den betroffenen Menschen zugeführt!

 

01.10.2021,  Tag 13

Der Lavanachschub hört nicht auf, der Landzugewinn nördlich der Playa Nueva, beträgt inzwischen in etwa 15 neue Fussballfelder. Eine neue Lavazunge nördlich des Karters, bringt seit gestern abend wieder Angst, welchen Weg diese nehmen wird. Derweil werden wir mal mehr oder weniger von Asche oder kleinen Steinen beregnet. Wir halten uns in Bewegung mit den Hunden, versuchen zu fegen, wenn es Sinn macht und hoffen inständig, dass die "mierda" bald berechenbarer sein wird.

Die Presse freut sich über spektakuläre Bilder. Derzeit ist einem Mikrofon kaum zu entkommen, am besten mit Menschen in Tränen und Verzweiflung aufgelöst. Sogar die dänische Tagespresse hatte Jesper entdeckt und vorsichtshalber selbst gar nix recherchiert vor Veröffentlichung des Interviews. Zeit für Korrekturlesen finden wir derzeit allerdings nicht, deshalb lassen wir das Gesabbel vor dem Miktrofon lieber sein. Um die Privatshäre der Betroffenen zu schützen, ist die Verbreitung privater  Drohnenaufnahmen verboten. Das ist  zunächst löblich, denn es ist natürlich kaum auszuhalten, das eigene Haus von glühender Lava zermalmt zu sehen, immer wieder aufrufbar und verteilt in den sozialen Medien. Andererseits will auch jeder wissen, ob das Zuhause noch existiert. Das ist derzeit allerdings nur einmal am Tag möglich, mittels Satellitenbilder des europäischen Erdbeobachtungsprogramms, Copernikus. Die Informationen der Behörden werden in einer Pressekonferenz einmal täglich in den Medien veröffentlicht und teilweise auch extrem relativiert. Das Ganze hat inzwischen doch argen Zensurcharakter.

 

29.09.2021

Seit Mitternacht  fand der erste Lavastrom nach dem Ausbruch, den Weg zur Küste und ergoss sich wasserfallartig ins Meer, im nördlichen Bereich vom Playa Nueva in La Bombilla. Das Spekakel war von einigen sehnsüchtig erwartet worden, versprachen die zu erwartenden Explosionen doch beeindruckende Bilder. Die Verbindung mit Salzwasser kann zum Ausstoss von giftigen Gasen führen, die mit Salzsäure versetzt sind. Deswegen gilt für einige Ortsteile von Tazacorte eine Ausgangssperre. Die letzte noch intakte Verbindungsstraße der südwestlichen Region, wurde mit dem Lavastrom gekappt. Zuvor wurden wieder viele Häuser auf dem Weg zum Meer erneut einfach plattgewalzt. Damit sind Puerto Naos und die kleineren Orte auf dem Weg in Richtung Süden, derzeit nur noch über Fuencaliente oder auf dem Seeweg erreichbar. Die Wasserversorgung in der Region ist zerstört,  die Bananen werden nicht überleben können. Und es wird wirtschaftlich extrem kritisch um den Speckgürtel von Los Llanos.

 

26.09.2021

Wir danken sehr für Eure Aufmerksamkeit und Besorgnis für unsere Situation und senden eine kurze Zusammenfassung, wie es sich derzeit für uns darstellt auf diesem Blog, weil wir es nicht schaffen, alle Mails, Whatsapps oder Telefonate zu beantworten.

Am vergangenen Sonntag, dem 19.09.2021 brach der Vulkan an der Cumbre Vieja aus, (der noch keinen Namen hat), nur wenige Kilometer entfernt und ausgezeichnet sichtbar, von der Finca Luna Baila in Tacande abajo. Obwohl wir durch seismlogische Bewegungen gewarnt wurden, blieben die Voraussagen verhalten bis harmlos, so dass der Austritt zu einer Überraschung geriet.

Schnell wurden Teile von Las Manchas, Todoque und Las Norias evakuiert. Unsere Gäste aus der Finca La Primavera konnten wir zunächste in Tacande aufnehmen. Alle rückten zusammen, auch für gestrandete Freunde wurden Schlafplätze gefunden. Am Montag abend wurde dann auch diese Finca evakuiert. Es ging in die Militärkaserne in Santa Cruz, auf der Ostseite der Insel.  Wir danken allen Gästen für die gegenseitige Umsicht und Fürsorge in dieser sensiblen Situation!

Seit dem Ausbruch, hatten wir mehrmals das Quartier gewechselt, weil evakuiert. Zeitweise von einer Stunde auf die nächste, wurden neue Entscheidungen getroffen. Der Vulkan hatte immer neue Lavaströme ausgebildet, die sich alle in Richtung als Manchas und Todoque geschoben haben. Der ursprüngliche Krater ist in sich zusammengebrochen, es gibt neue entlastetende Öffnungen, die erneut Feuer und Lava speien. Der gesamte Prozess wird von einem ohrenbetäubenden Lärm begleitet, der zu Beginn an mindestens zehn startende 380 iger Airbus erinnerte. Es wechselte dann später teilweise in extremen Gewitterdonner im Minutentakt, begleitet von Explosionen mit starken Druckwellen, die jeder auf der Insel wahrnehmen konnte. Das Inferno ist entweder dunkel bis schwarz von Asche, gemischt mit Feuersäulen.

Die ausgestossene Lava ist Anfang sehr träge gewesen, bildet haushohe, glühende Walzen, die alles unter sich begraben. Mehr als 500 Häuser sind verloren, etwa 7.5% der Bevölkerung sind evakuiert. Es steht zu befürchten, dass die jetzt deutlich agilere Lava, die letzte Verkehrsverbindung des Südwestens bis Puerto Naos und El Remo komplett abschneiden wird. Seit heute werden seismologische Bewegungen in Fuencaliente wahrgenommen. Alles ganz normal für einen kanarischen Vulkan, sagen die Wissenschaftler. Wohl ein Vulkan des strombolischen Typs. Kleine regelmäßige Explosionen von relativ flüssiger Lava und rythmischen Entgasungsvorgängen. Auch der strukturelle Wechsel der Lava sei normal. Wir können leider das Szenario nicht als normal empfinden und hätten uns gern etwas anderes im Vorfeld angehört, als hinterher: .."hab ich ja gewusst". Einem Vulkanologe ist vermutlich nur eine Ist-Zustandsbeschreibung eines Ausbruchs möglich und im Nachgang die Analyse der Katastrophe.

Wir halten Euch auf dem laufenden, soweit wir dazu in der Lage sind. Derzeit gibt es keinen Lavastrom, der uns in Tacande gefährdet. Anders könnte es in Las Norias ausgehen. Wir geben auf diesem Weg Entwarnung oder weitere Infos! Die demnächst betroffenen Gäste. (Und die potentiell weitere Vorgehensweise), kommunizieren wir separat!

Falls der Vulkan wieder lieb zu uns ist, müssen wir mit vielen Menschen weinen, die es sehr schwer getroffen hat und unsere Infrastruktur auf La Palma wieder aufbauen. Viele haben uns angesprochen, wie und wo sie spenden können. Hier die von den Behörden ausgegeben Kontoverbindungen:

An: Ayuntamiento de El Paso, Zweck: Erupción Vulcánica

LA CAIXA CAIXESBBXXX      ES26 2100 7109 3122 0015 5652    oder:

CAJA SIETE BCOEESMM076 ES57 3076 0480 6710 0761 6723    oder:

An: Ayuntamiento de Los Llanos, Zweck Erupción Vulcánica

LA CAIXA CAIXESBBXXX      ES06 2100 1921 1902 0014 1752

Hier einige deutschsprachige Blogs, die im Detail und täglich informieren, soweit die Berichterstatter nicht selbst evakuiert werden müssen:

 

idafeblog; casamartín; lapalmaaktuell